Bericht: Soonwaldbusfahrt 02. August 26

Bericht: Soonwaldbusfahrt 02. August 26 – Geheimnisse des Binger Waldes


Soonwaldbusfahrt bot tiefe Einblicke in die Geheimnisse des Binger Waldes

Mit vollbesetztem, traditionellen Soonwaldbus ging die Augustfahrt der Initiative Soonwald e.V. in den Binger Wald. Unter der Leitung der Gäste- und Naturführerin Anja Weyer besuchten die Teilnehmerinnen neben kleineren Anfahrtsstellen das in Deutschland einzigartige Industriedenkmal und Teil des Unesco-Welterbe Oberes-Mittelrhein-Tal: das Mangan- und Dolomitbergwerk Amalienhöhe.

1885 begann Heinrich C. Geier zur Erzgewinnung Suchschächte abzuteufen. Ab 1887 erfolgte die Manganerzgewinnung zunächst im Pfeilerbau, später dann im Schachtbauverfahren. Das Manganerz wurde zur Stahlveredelung genutzt und ab 1904 durch die Erben in die Gewerkschaft Braunsteinbergwerke Doktor Geier umgewandelt. 1912 wurde eine 7,6 km lange Seilbahn mit einer Leistung von bis zu 60 Tonnen pro Stunde zu einer Verladestation am Rhein bei Trechtingshausen gebaut. Zum 31. Dezember 1952 wurde die Gewerkschaft Dr. Geier aufgelöst und in die Gewerkschaft Mannesmann überführt. Da sich bereits seit 1952 abzeichnete, dass keine weiteren nennenswerte Manganerzvorkommen aufgeschlossen werden konnten, wurden Überlegungen angestellt, die Förderung auf Dolomit umzustellen. Ein erster Liefervertrag wurde bereits 1954 mit der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG der Firma Krupp geschlossen. Ab Januar 1959 wurde dann in der Grube vorwiegend Dolomit abgebaut. Mit rund 350.000 Tonnen Rohdolomitgewinnung im Jahr 1969 wurde die größte Fördermenge erreicht. Als die großen Stahlwerke ihre Stahlerzeugung vom Siemens-Martin-Verfahren auf das LD-Verfahren umstellten, wurde für die Veredelung des Stahls kein Dolomit mehr benötigt. Infolge brach die Nachfrage nach Dolomit dramatisch ein und das Bergwerk musste 1971 schließen. Bis zur Schließung wurden 5,5 Millionen Tonnen Manganerz und 2,6 Millionen Tonnen Dolomit abgebaut.  (Quelle Wikipedia) Vorstandsmitglied Dr. Willem Douw der Initiative Soonwald und der Referent Dipl.Ing. Michael Herbster, Leiter der Straßenmeisterei Bingen ermöglichten den Besucherinnen einen Einblick in das heute dem Verfall preisgegebene, für die Gemeinde Waldalgesheim einst bedeutende Bergwerk Amalienhöhe. Nach wechselnden Eignern ist es heute im 

Besitz des Landes Rheinland-Pfalz, der Gemeinde Waldalgesheim und zum größten Teil einer Immobilienfirma, die Räumlichkeiten an Privatleute vermietet. Herr Herbster informierte spannend über die Geschichte der unter preußischem Berggesetz geführten Erzgewinnung mit einen Förderturm anhand vieler Bilder, der heute zum Teil maroden Gebäude. Um einen Ehrenhof mit Portal gab es zwei villenartige Gebäude im neobarocken und klassizistischen Stil, ein prunkvoller Saalbau mit Speisesaal, Theater und Vortragsraum und das Zechenhaus, welches noch steht, Sitz der Verwaltung, Herberge, Lohnhalle, Casino, Umkleideraum für die Arbeiter, die im Grubenkeller 12 Std. unter Tage schufteten. Viele Grubenschächte befinden sich noch im weiten Areal. welches unterhalb ein Naturschutzgebiet umsäumt. Man war sich einig, dass diese beeindruckende Stätte deutscher Industriekultur erhalten und restauriert werden sollte. Herr Herbster teilte mit, dass in diese Richtung langsam Bewegung kommt. Man darf gespannt sein, ob eine Rettung dieser schönen Anlage wirklich umgesetzt wird.

Nach einem leckeren Mittagsstopp in der Lauschhütte ging es anschließend auf einen Rundgang durch den Wald Richtung Salzkopf. Die Führung hatte Revierförster a.D. Schorsch Kiefer, der mit viel Fachwissen zum aktuellen Stand der Entwicklung in Richtung Naturwald begeisterte. Der Balanceakt zwischen Waldnutzung durch Besucher, Wirtschaftsförderung und Wildtiermanagement im Zeichen der Klimaveränderungen wurde beleuchtet. Hoffnung machte den Gästen ein großes Arreal „Wildnis“ mit sichtbarer Naturverjüngung, dem ökologisch wertvollsten Teil der Biodiversität. Nach Kaffee und Kuchen klang die erlebnisreiche Fahrt mit Frau Weyers Anekdoten aus dem Binger Wald aus.


Text und Bilder Angela Wenning | Im Auftrag – Maria Othmer